Hyposensibilisierung bei Bienen- und Wespengift: „Erfolgsaussichten sind sehr gut“
Jeder Stich ein Notfall: Ein Bienen- oder Wespenstich kann bei Allergikern schwere Kreislaufprobleme hervorrufen. Hilfe bietet die sogenannte Hyposensibilisierung, die auch am InnKlinikum Mühldorf angeboten wird. Was Allergiker wissen müssen, erklärt Prof. Dr. Arno Mohr, Chefarzt der Pneumologie, Infektiologie und Beatmungsmedizin am InnKlinikum Mühldorf.
Mühldorf, 07. Juli 2026 – Herr Prof. Mohr, für welche Allergiker ist eine Hyposensibilisierung geeignet?
Eine Hyposensibilisierung gegen Bienen- oder Wespengift kommt für Menschen infrage, die nach einem Stich eine schwere allergische Reaktion erlitten haben – etwa mit Atemnot, Kreislaufproblemen oder einem allergischen Schock. Voraussetzung ist, dass die Allergie durch die Krankengeschichte und entsprechende Tests eindeutig nachgewiesen wurde. Wer nach einem Stich lediglich eine starke Schwellung oder Rötung an der Einstichstelle entwickelt, benötigt in der Regel keine Hyposensibilisierung.
An wen sollten sich Betroffene wenden, wenn sie über eine Hyposensibilisierung nachdenken?
Der erste Ansprechpartner ist meist die Hausärztin oder der Hausarzt. Von dort erfolgt bei Bedarf die Überweisung zu einer allergologisch erfahrenen Fachärztin oder einem Facharzt – zum Beispiel aus der Dermatologie, HNO-Heilkunde oder Pneumologie. Dort wird untersucht, ob tatsächlich eine Insektengiftallergie vorliegt, welches Insekt die Beschwerden ausgelöst hat und ob eine Hyposensibilisierung sinnvoll ist. Mit den entsprechenden Befunden können sich Patientinnen und Patienten anschließend in der Pneumologie des InnKlinikums Mühldorf vorstellen.
Wie läuft die Behandlung im InnKlinikum Mühldorf ab und wie lange dauert sie?
Wir führen die Hyposensibilisierung nach dem sogenannten Ultra-Rush-Protokoll durch. Dabei wird das Allergen innerhalb kurzer Zeit in steigender Dosierung verabreicht, bis die notwendige Erhaltungsdosis erreicht ist. Die Patientinnen und Patienten bleiben dafür eine Nacht zur Überwachung im Krankenhaus. Anschließend wird die Therapie ambulant fortgesetzt. Insgesamt erstreckt sich die Behandlung meist über drei bis fünf Jahre.
Was können Allergiker von der Hyposensibilisierung erwarten?
Die Erfolgsaussichten sind sehr gut. Bei einer Wespengiftallergie schützt die Hyposensibilisierung in rund 95 Prozent der Fälle vor einer erneuten schweren allergischen Reaktion, bei einer Bienengiftallergie liegt die Erfolgsrate bei etwa 80 bis 95 Prozent. Das bedeutet für viele Betroffene vor allem eines: Sie können ihren Alltag wieder deutlich unbeschwerter genießen und müssen sich vor jedem Aufenthalt im Freien nicht ständig vor einem Insektenstich fürchten. Kleinere örtliche Reaktionen an der Stichstelle können allerdings weiterhin auftreten.
Gibt es Risiken oder Fälle, in denen die Therapie nicht den gewünschten Erfolg bringt?
Wie jede medizinische Behandlung kann auch eine Hyposensibilisierung Nebenwirkungen haben. Meist handelt es sich dabei um harmlose Rötungen oder Schwellungen an der Injektionsstelle. Selten können auch stärkere allergische Reaktionen auftreten. Deshalb wird die Behandlung unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt. In den allermeisten Fällen ist die Therapie sehr erfolgreich, dennoch kann ein vollständiger Schutz nicht in jedem Einzelfall garantiert werden. Wer bereits einmal eine schwere allergische Reaktion erlebt hat, sollte deshalb auch nach einer erfolgreichen Hyposensibilisierung weiterhin sein Notfallset mitführen.
Hilft eine Hyposensibilisierung bei jeder Allergie?
Nein. Eine Hyposensibilisierung gibt es zwar für verschiedene Allergien, sie ist aber nicht bei jeder Allergie möglich oder sinnvoll. Im InnKlinikum Mühldorf bieten wir stationär die Hyposensibilisierung gegen Bienen- und Wespengift an.
Wie lange hält der Schutz an? Kann die Allergie zurückkehren?
Nach einer erfolgreich abgeschlossenen Hyposensibilisierung hält der Schutz bei den meisten Patientinnen und Patienten viele Jahre an. Bei bis zu 20 Prozent kann die Schutzwirkung allerdings innerhalb von fünf bis zehn Jahren wieder nachlassen. In solchen Fällen oder bei einem besonders hohen Risiko kann eine längere oder sogar dauerhafte Erhaltungstherapie sinnvoll sein. Ob dies notwendig ist, wird immer individuell entschieden.


