Ein Beruf mit Zukunft: Physician Assistant am InnKlinikum
Ein Physician Assistent ist ein akademischer Gesundheitsberuf, der in der Regel 6 bis 8 Semester umfasst und umgangssprachlich als „kleine Schwester des Medizinstudiums“ bezeichnet wird. Voraussetzung für die Zulassung zum Studium ist entweder eine abgeschlossene Ausbildung in einem Gesundheitsberuf, oder das Abitur.
Johanna Sickinger gehörte zu den ersten Mitarbeiterinnen des InnKlinikum, die das Studium erfolgreich abgeschlossenen haben. Seitdem ist sie als Physician Assistant bei uns tätig ist. Im Interview erzählt sie von ihrem Studium, dem abwechslungsreichen Arbeitsalltag und den Chancen ihres Berufes. Wie wertvoll ihre Rolle auch als ärztlicher Sicht ist, erklärt Dr. David Schul, Chefarzt der Neurochirurgie Altötting.
Wie bist du zum Studium gekommen?
„Nach meiner Ausbildung zur Operationstechnischen Assistentin (OTA) in Mühldorf habe ich dort mehrere Jahre gearbeitet. Irgendwann war für mich klar: Ich möchte mich fachlich weiterentwickeln und mehr Verantwortung übernehmen. Deshalb habe ich mich für das berufsbegleitende Bachelorstudium zum Physician Assistant entschieden.
Einmal pro Woche hatte ich Präsenzunterricht, zusätzlich absolvierte ich in jedem Semester ein Praktikum. Nach dem Bachelor besteht auch die Möglichkeit eines Masterstudiums – aktuell habe ich mich aber bewusst dagegen entschieden.“
Wie sieht dein Arbeitsalltag heute aus?
„Nach dem Studium war ich zunächst zwei Jahre auf der IMC/Intensivstation in Mühldorf tätig, bevor ich im vergangenen Oktober in die Neurochirurgie nach Altötting gewechselt bin. Als Physician Assistant darf ich – mit Ausnahme von Aufklärungsgesprächen und Transfusionen – nahezu alle Aufgaben übernehmen, die auch Assistenzärzte ausführen. Auf der IMC habe ich eigenständig zwei bis drei Patientinnen und Patienten betreut, alle anstehenden Untersuchungen durchgeführt, Zugänge gelegt oder auch Tracheotomien durchgeführt.
In der Neurochirurgie begleite die Visiten, führe Dokumentationen und in Absprache mit dem Oberarzt auch Medikamentenumstellungen durch. Außerdem schreibe ich Arztbriefe und organisiere die Weiterversorgung von Patientinnen und Patienten, zum Beispiel durch Terminvereinbarungen in der Onkologie oder die Abstimmung mit dem Sozialdienst für Reha-Anträge. Wenn die Stationssekretärinnen nicht im Dienst sind, übernehme ich zudem Blutabnahmen und lege Zugänge.
Im OP unterstütze ich als erste Assistenz und führe Wundverschlüsse sowie Nähte selbstständig durch. Grundsätzlich dürfte ich auch kleinere operative Eingriffe selbstständig durchführen, das gestaltet sich in der Neurochirurgie aber eher schwierig. In anderen Fachbereichen wird dies aber durchaus praktiziert.
Generell sind viele Aufgaben davon abhängig, was Oberärzte delegieren möchten. Ich habe das große Glück in einem Team zu arbeiten, dass mir viele zutraut. Alle Ärztinnen und Ärzte sind sehr engagiert und unterstützen mich jederzeit.“
Was macht den Beruf für dich besonders?
Besonders spannend finde ich, dass ich viele ärztliche Tätigkeiten und damit auch Verantwortung übernehmen darf. Inzwischen wenden sich viele Pflegekräfte bei Kleinigkeiten direkt an mich. Das sehe ich das als großes Kompliment für meine Arbeit und gleichzeitig ist es eine spürbare Entlastung für den Ärztlichen Dienst.
Ein weiterer Vorteil ist, dass ich durch meine Ausbildung und meine jetzige Tätigkeit sowohl die Seite der Pflege als auch des ärztlichen Dienstes gut kenne. Da sich die Sichtweisen manchmal unterschieden, kann ich gut zwischen den Berufsgruppen vermitteln.“
Chefarzt Dr. David Schul: „Physician Assistants sind eine wertvolle Bereicherung für die Patientenversorgung“
„Der große Vorteil, Johanna Sickinger in unserem Team zu haben, liegt in ihrer Fähigkeit, medizinische Fachkompetenz mit einer strukturierten und patientenorientierten Arbeitsweise zu verbinden. Besonders wertvoll ist dabei ihre langjährige Arbeitserfahrung als OTA. Durch ihre umfassenden Kenntnisse der OP-Abläufe, der Assistenz bei operativen Eingriffen und der OP-Pflege bringt sie ein hohes Maß an praktischem Know-how mit. Auch ihr sicherer Umgang mit Implantaten und den entsprechenden Prozessen ist für unser Team ein großer Gewinn. Sie kennt die Anforderungen im Operationssaal aus unterschiedlichen Perspektiven und kann dadurch vorausschauend, effizient und lösungsorientiert arbeiten.
Innerhalb ihres Kompetenzbereiches übernimmt sieeigenverantwortlich zahlreiche Aufgaben, erkennt frühzeitig Handlungsbedarf und bildet eine verlässliche Schnittstelle zwischen ärztlichem Dienst, Pflege und weiteren Berufsgruppen. Das verbessert die Kommunikation, macht Abläufe effizienter und entlastet unser ärztliches Team spürbar. Gleichzeitig schätzen unsere Patientinnen und Patienten ihre kontinuierliche Betreuung und ihre empathische Art.
Der große Mehrwert des Berufsbildes Physician Assistant liegt jedoch darin, dass die medizinische Versorgung nachhaltig gestärkt wird. Physician Assistants übernehmen zahlreiche ärztliche Tätigkeiten, schaffen dadurch Freiräume für komplexe medizinische Aufgaben. Sie stärken die interprofessionelle Zusammenarbeit und leisten einen wichtigen Beitrag zu einer modernen und hochwertigen Patientenversorgung.“
Gut zu wissen
Das InnKlinikum unterstützt Mitarbeitende, die sich zum Physician Assistant weiterqualifizieren möchten, mit einem eigenen Förderprogramm. Das berufsbegleitende Studium wird durch die Übernahme von 50 Prozent der Studienkosten sowie eine 50-prozentige Freistellung (bei Vollzeitbeschäftigung, bei Teilzeit anteilig) gefördert. Weitere Informationen gibt es bei der Personalentwicklung.


